Was tun, wenn vor der Lesung das Schwitzen beginnt und die Zeit knapp wird? Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen eines intensiven Lesemarathons.
Geschafft: Viermal hintereinander eine knapp halbstündige Lesung vor jeweils 40 bis 50 Jugendlichen. Kein eigenes Buch habe ich vorgestellt, sondern ein spannendes Jugendbuch. Die Initiatorin des Lesefestes, Sabina Kratt, hatte mir zwei Titel vorgeschlagen und ich habe mich nach einigem Hin und Her für die spannendere Lektüre entschieden, passte besser zur Altersgruppe.
Die Nacht davor habe ich schlecht geschlafen, stattdessen gedöst und viel gelesen, um mich vom Grübeln abzulenken. Am schlimmsten waren die Schwitzanfälle, sowas habe ich sonst nie, höchstens, wenn ich mal fiebrig krank bin und das ist lange her. Ich glaube, das Schwitzen kam vom Lampenfieber – ist ja auch eine Art von Fieber.
Dabei war ich ziemlich gut vorbereitet. Zwar auf dem letzten Drücker, weil ich Ewigkeiten nicht in die Puschen kam, aber dann ja, ich bin zufrieden. Es hat sich auch gelohnt, den Samstag davor vier Stunden lang an einem Online-Workshop zur optimalen Vorbereitung öffentlicher Lesungen teilzunehmen. Schließlich habe ich zu meinen eigenen Geschichten einige Lesungen vor, nicht nur nur zu meinen Kurzgeschichten für ein erwachsenes Publikum, was ich schon kenne, sondern auch zu meinem Leni-Lachs-Buch vor Grundschulklassen. Dafür war dieses Rottweiler Lesefest die beste Vorbereitung.
Der Workshop hat mir kurz vor knapp einen Motivationsschub verpasst: Ich wusste nun, was zu tun war. Wie ich die Lesung am besten beginne. Dass ich zuallererst die Zuhörerschaft für mich gewinnen muss. Sie dahin kriegen, dass sie mir quasi an den Lippen kleben. Dafür muss ich sie verzaubern, sie in meinen Bann ziehen. Das klappt nicht nur übers Lesen. Auch mit noch so toller Betonung und Intonation wird es sonst ab einem gewissen Punkt langweilig.
Besser mit freier Rede beginnen – Horror für mich, aber ich habe mich durchgerungen und mich mit einem Spickzettel auf dem Handy durchgemogelt. Mich vorstellen, etwas ganz Persönliches von mir rüberbringen, was mich mit dem Buch und mit dem Publikum verbindet. Es hilft, schon am Anfang rhetorische Fragen in die Runde zu stellen, um möglichst alle in die Geschichte hineinzuziehen. Dann führe ich erzählend in das Buch hinein und lese mein erstes Lesehäppchen. Es folgt eine Überleitung in mündlicher Rede, dann wieder ein Lesehäppchen, mündliche Rede, Lesehäppchen. Zuletzt beende ich das ganze mit offenen Fragen, die dazu anregen, das Buch weiterzulesen. So jedenfalls habe ich es nun gemacht und es hat sich bewährt. Sogar einige Lehrerinnen haben sich daraufhin das Buch gekauft und ich bekam viel positives Feedback sowohl von den Jugendlichen als auch von Lehrerinnen.
Wie schon erwähnt, hatte ich mein Handy bei diesem Lesemarathon voll im Einsatz. Nicht nur mit Stichworten für die freien Redebeiträge, auch die vorzulesenden Buchtexte hatte ich auf dem Handy dabei. Zwar hatte ich im Vorfeld einiges dafür abzutippen, allerdings tippe ich schneller als ich denken kann. Zudem konnte ich beim virtuellen Text die direkte Rede der verschiedenen Figuren farblich unterschiedlich markieren, ebenso die zu betonenden Worte. Das schön gestaltete Originalbuch hätte niemals so beschmieren wollen. Vor allem ist ein Smartphone für mich viel handlicher als ein Buch, es ist leichter und ich kann es lesend mit nur einer Hand halten.
Eine Sache will ich bei meiner nächsten Lesung anders machen: Insgesamt will ich mir für meine Worte mehr Zeit nehmen, langsamer sprechen, nicht hektisch werden. Hoffentlich hat es außer mir niemand bemerkt, dass ich mich unter Zeitdruck fühlte – aus Sorge, die Lesung nicht rechtzeitig abschließen zu können. Das nächste Mal plane ich bewusst mehrere mögliche Abschlüsse ein, sodass ich gegebenenfalls einen oder mehr Lesungsblöcke auslassen kann und die Lesung trotzdem rund wirkt.
So, das waren für mich die wichtigsten Erkenntnisse aus der Lesung. Da ich weiß, dass einige Leser*innen meines SchreibBLOGs selbst auch schonmal Lesungen vorzubereiten haben, teile ich meine Erkenntnisse hier sehr gerne und freue mich über Ergänzungen und Feedback.
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