LESEND VERBUNDEN
Hast du je eine Kurzgeschichte von Alice Munro genießen können?
Nach wie vielen Leserunden hast du sie verstanden?
Wie lange hast du gebraucht, bis du kapiertest, dass sich der wahre Genuss ihrer Geschichten erst nach mehrmaligem Lesen entfaltet?
Stecktest du nach dieser Erkenntnis in einer Lesespirale fest?
Hast du dich überwinden müssen, dich mit Munros Geschichte „Dimensionen“ auseinanderzusetzen, weil du meintest, so viel Elend nicht ertragen zu können?
Warst du nach dem ersten Lesen entsetzt und ratlos?
Hast du irgendwann beim Lesen die Verbindung der Hauptfigur zu allen Frauen dieser Welt gesehen?
Hast du das erzählte Drama ertragen können, weil es so viel schlimmer ist als deine eigenen Nöte und die deiner Liebsten?
Hast du beim Verstehen eine Verbindung zu der Figur gespürt? Eine Verbindung zu Alice Munro?
Hast du bemerkt, wieviel Nähe zur Autorin entsteht, wenn du den Text immer wieder liest, bis du ihn verstehst? Hat das deine schlaflosen Nächte verkürzt?
Hast du je bemerkt, wie gut Verständnis tut?
Hast du dich lesend und erkennend als Teil ihres Werkes gefühlt, als Gemeinschaft der Frauen weltweit, Gemeinschaft der Schreibenden, Gemeinschaft der schreibenden Frauen?
Bleibt nach dem Zuschlagen des Buches ein Störgefühl, weil Figuren anders handeln, als du es tun würdest?
Hilft dir dieses Störgefühl beim Loslassen im wahren Leben? Hilft es dir zu respektieren, dass wir alle unterschiedlich geprägt wurden und deshalb unterschiedlich leben und entscheiden?
Fühlst du dich nach mehrmaligem Lesen ihrer Geschichten versöhnt mit deiner Mutter, deinen Omas und deren Ahninnen?
Sehnst du dich danach, die Nobelpreisträgerin von 2013 persönlich kennenzulernen?
Bedauerst du, dass es keine Lesungen von ihr und mit ihr geben wird?
Tröstet es dich, dass sie durch ihre Geschichten präsent bleibt, immer wenn du in ihren Büchern schmökerst. Mehr noch, wenn du dich von ihr fürs eigene Schreiben inspirieren lässt?
Der fragende Text „Lesend verbunden“ ist mir im Schreibcafee aus den Fingern geflossen. Schreibimpuls war Robert Lax‘ Gedicht „Morgensterne“ und eine gemeinsame Liste mit Erfahrungen, die auch im Rückblick noch begeistern. Für diesen SchreibBLOG hatte ich Alice Munros Kurzgeschichte „Dimensionen“ bereits halb rezensiert. Dann aber haben meine Mitschreiberinnen mich überzeugt, den an Robert Lax angelehnten Text zu bloggen. Er ist ungewöhnlich, deshalb muss ich etwas Mut aufbringen, ihn hier zu veröffentlichen. Ich mach’s einfach …
BITTE abonniere meinen SchreibBLOG, wenn der Beitrag dir gefällt. Etwa alle 1 bis 2 Monate halte ich dich dann auf dem Laufenden zu Themen rund ums Schreiben und Lesen. Auf Wunsch sende ich dir zusätzlich einen persönlichen Schreibimpuls …

