Mit SchreibZeit die Leichtigkeit des Schreibens entdecken

Zwei Tage, ein Raum, viele Texte: Natalie Hahn zeigt im Interview, wie ein klug gestalteter Rahmen Blockaden löst, Ideen freisetzt und Schreibende in den kreativen Flow führt.

Jannechie: Liebe Natalie, zur einfühlsamen Leitung von Schreibwerkstätten haben wir nicht nur die gleiche Weiterbildung absolviert, inzwischen bieten wir ein ähnliches Konzept, das stark von den herkömmlichen Kursen und Workshops abweicht. Magst du deinen Ansatz in deinen Worten zusammenfassen?

Natalie: Erst einmal möchte ich mich herzlich für Dein Interesse an der SchreibZeit bedanken. Die Idee dafür ist aus einem Mangel entstanden, aus der Beobachtung meines eigenen Schreibens und dem Austausch mit Anderen. Ich hörte mir und anderen zu, den Klagen über die Anstrengung, die es Kreativen abverlangt, kontinuierlich und diszipliniert dranzubleiben. Schreibend suchte ich nach dem perfekten SchreibRaum mit unterstützender Atmosphäre zwischen anregender Stille und zurückhaltender Anregung. Dann stieß ich auf Judith Wolfsbergers Memoir „Schafft Euch Schreibräume!“, für mich eine Offenbarung! Daraufhin konzipierte ich die SchreibZeit und fand mit der Melanchthon Akademie einen Bildungsträger in Köln, der die Idee verstand und förderte. An zwei Tagen hintereinander eröffne ich quasi ein Schreibatelier. Die unterschiedlichsten Menschen verabreden sich unter meiner Anleitung mit ihrem Schreibprojekt, ob Kurzgeschichte, Lyrik, Roman oder wissenschaftliche Hausarbeit. Ich initiiere den Schreibprozess, die Gruppe gestaltet ihn mit. Durch die Methoden, Schreibzeiten und Feedbackrunden entsteht eine Stimmung, die die Kreativität und den Schreibfluss fördert. 

Jannechie: Lustig, wie wir auf unterschiedlichen Wegen zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind. Der Unterschied unserer Angebote liegt in der Veranstaltungsdauer und -regelmäßigkeit. Meine Workshops finden einmal im Monat für 2 bis 3 Stunden statt, deine als mehrtägige Schreibzeit – ganz schön lang! Wie ist so Dein Angebot strukturiert, damit keine Längen aufkommen?

Natalie: Ja, mein Angebot sind Intensivtage. Am Anfang gab es die SchreibZeit nur zum Jahresbeginn. Dieses Jahr biete ich das Seminar dreimal an: im Januar, Juni und November. Das Format gibt mir als Schreibbegleiterin Zeit, den Raum der Inspiration zu eröffnen und zu halten. Mit Warmschreibübungen und einer Runde zur Vorstellung der verschiedenen TextWerke oder Ideen, die die Teilnehmenden mitgebracht haben. Das ist mir wichtig, da immer der Prozess im Mittelpunkt steht. Es gibt einen sich wiederholenden Wechsel zwischen Schreibphasen, Austausch, Beratung und Wertschätzung. Dieser Prozess ist intensiv und daher als Zweitagesseminar perfekt.

Jannechie: Für Warmschreibübungen steht im Schreibcafee weniger Zeit zur Verfügung. Dafür gibt es monatlich neue Schreibimpulse, passend zu den Projekten. Wer mag, nutzt sie, um leichter ins Schreiben zu kommen. Ansonsten klingt der Verlauf erfreulich ähnlich, wobei die Schreibenden in zwei Tagen mit ihren Projekten bestimmt viel weiterkommen als in zwei Stunden. 

An solchen Schreibtagen brauchen die Teilnehmenden vermutlich mehr Pausen. Wie verbringen sie die? Sollten alle sich selbst etwas zu essen und zu trinken mitbringen? 

Natalie: Die Melanchthon Akademie versorgt uns mit Wasser, Kaffee, Tee und Keksen. Die Mittagspause lädt dazu ein, mal raus zu gehen und sich in der Südstadt etwas zu Essen zu holen oder einfach an der frischen Luft zu bewegen. Pausen sind sehr wichtig für die Inspiration und den Schreibfluss. 

Jannechie: Bewegung zwischen den Schreibphasen ist eine super Idee. Da kommt mir eine andere Frage. Nicht alle sind so schreibbegeistert wie wir. Was ist mit Leuten, die nicht so gern schreiben, das aus den unterschiedlichsten Gründen aber tun müssen? Die vielleicht sogar unter einer Schreibblockade leiden?

Natalie: Bisher hat sich niemand angemeldet, der oder die nicht gern schreibt. Obwohl die SchreibZeit das Potential hat, Menschen zu unterstützen, ins Schreiben zu finden. Wenn sie zum Beispiel eine wissenschaftliche Hausarbeit erarbeiten müssen. Ich verwende Methoden, die aktivieren, die die verschiedenen Schreibphasen verdeutlichen. Damit kann gezielt entschieden werden, wo und wie anzufangen ist. Die SchreibZeit ist für alle Genres offen, das ist das Spannende für die Gruppe: Weil der Schreibprozess im Fokus steht, können alle etwas mitnehmen.  

Jannechie: Dem kann ich nur zustimmen. Was ist aber mit Leuten, die mal wieder ins Schreiben kommen wollen, denen es an Ideen mangelt? Oder solchen, die eine Idee mitbringen, denen aber die Herangehensweise fehlt, um sie umzusetzen?

Natalie: Durch meine Erfahrung und ständige Weiterbildung bin ich in der Lage, die Teilnehmenden zu unterstützen, Impulse zu setzen, falls sie keine konkreten TextWerke oder Ideen mitbringen und sich Beratung wünschen. Ich höre zu und versuche im Dialog herauszuarbeiten, was von ihnen geschrieben werden möchte. Alle erleben, dass der feste Rahmen an sich inspirierend ist. Die Methoden helfen, Entscheidungen zu treffen. In den Schreibfluss finden sie dann fast wie von allein.

Schreibbegleiterin Natalie Hahn (Foto: privat)

Jannechie: Da höre ich wieder unsere fundierte Weiterbildung in Hückeswagen heraus, sehr sympathisch! Was, wenn Schreibende bei der SchreibZeit auf den Geschmack kommen und weiterschreiben wollen? In Standardkursen schreiben meist alle zum selben Thema. Was machen jene, die sich beim Schreiben nichts vorschreiben lassen wollen und denen es daheim zum Schreiben zu einsam ist oder zu unruhig mit 1000 Ablenkungen?

Natalie: Diese Fragen sind ebenfalls Teil meines Angebots – bzw. das Finden von Antworten darauf für sich. Im Erleben und Beobachten des eigenen Schreibprozesses lernen die Teilnehmenden sich besser kennen. Damit können sie auch ihren Weg ins Schreiben finden, wenn die gemeinsame SchreibZeit in der Melanchthon Akademie vorbei ist.

Jannechie: Klingt gut. Welche Art von Projekten sind in deinen Schreibzeiten entstanden bzw. haben sich dort weiter entfaltet?

Natalie: Von Roman über Kurzgeschichten, Essays bis Lyrik war alles dabei. Natürlich schreibt niemand in zwei Tagen einen Roman. Die SchreibZeit hilft, den Fokus zu setzen. Eine Teilnehmerin arbeitete sogar an einer Homepage und nutzte das Seminar, um ihre Vision davon inhaltlich zu entwickeln. Das „(End-)Produkt“ ist für mich nachrangig, die Ermutigung steht im Mittelpunkt meiner Arbeit. Mir ist es ein Anliegen den Schreibprozess in Gang zu bringen, erfahrbar zu machen, was hilfreich ist, um kreativ sein zu können. Und das hat bisher immer funktioniert, was natürlich auch mit der Gruppe zu tun hat und der Motivation des*der Einzelnen sich einzubringen.  

Jannechie: Wunderbar vielfältig, was es bestimmt auch für dich als Kursleiterin umso interessanter macht. Welches war dein schönstes Schreibzeit-Erlebnis?

Natalie: Das schönste Erlebnis war zugleich das Schlimmste: Durch kurzfristige Absagen schrumpfte die Gruppe vor dem Start so, dass ich mich fragte, ob so noch ein Gemeinschaftsgefühl entstehen würde. Doch ich vertraute auf mein Konzept und die Methoden. Das Ergebnis: Die drei Teilnehmerinnen haben es genossen, intensiv an ihren TextWerken zu arbeiten. Sie haben sich sehr offen über ihre Texte ausgetauscht und zurückgemeldet, dass diese Tiefe gerade durch die kleine Gruppe möglich wurde. Ich sammle bei all meinen Seminaren Glücksmomente ein und freue mich über die Vielfalt der Begegnungen, der Texte und die Zufriedenheit, die alle mitnehmen, weil sie sich die Zeit für sich und ihre Kreativität genommen haben. 

Jannechie: Oh ja, je kleiner die Gruppe, desto intensiver ist der Austausch. Doch auch das tollste Seminar hat ein Ende. Betreust du deine Teilnehmenden hinterher weiter? Wenn sie beispielsweise eine Motivationsspritze brauchen? 

Natalie: Falls ich Fragen im Rahmen des Seminars nicht ausreichend beantworten kann, reiche ich die Antworten per Email nach. Darüber hinaus verweise ich gern auf die Angebote anderer Schreibtrainer*innen. Alles, was Schreibende vorwärtsbringt und was ich kenne, empfehle ich gerne weiter. So wie Dein Angebot. Damit der Prozess weitergehen, das TextWerk fortgeschrieben werden kann. Und natürlich freue ich mich Teilnehmer*innen wiederzusehen, was schon ein paar Mal passiert ist, weil sie erlebt haben, wie wertvoll die zwei Intensivtage für Ihr Schreiben waren. 

Jannechie: Schön, dass Netzwerken uns beiden so wichtig ist. Deshalb dieses Interview, das mich motiviert, mich zu deiner SchreibZeit am 19. und 20. Juni anzumelden. Freue mich aufs Wiedersehen, auf die zwei schreibintensiven Tage und bin gespannt. Vielen lieben Dank für das informative Gespräch!

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Mit Fight & Write innen und außen stark

INTERVIEW. Fight & Write (F&W) – die Kombi aus körperlicher Selbstverteidigung und Kreativem Schreiben im VHS-Programm klang für mich so speziell, dass ich mehr darüber erfahren wollte. Kursleiterin Mailin Rieck erklärte, dass es beim F&W unabhängig von Alter, Kraft und Fitness darum geht, Mut zu fassen, Grenzen zu ziehen und Ideen frei fließen zu lassen. In ihren Workshops kannst du herausfinden, wie stark du bist, mit deinem Körper beim Kämpfen und mit deinen Worten beim Schreiben. Die Mischung aus Action und Nachdenken macht ihre Kurse und Workshops spannend und lebendig. Neugierig? Dann lese im Interview, warum ihr Konzept bei Jugendlichen und Erwachsenen gut ankommt.

Jannechie: Wie bist du auf die Idee gekommen, die Gegensätze des körperlichen Kämpfens mit dem doch eher kopflastigen Schreiben zu verbinden? 

Mailin: Die Idee hört sich nur gegensätzlich an, tatsächlich gibt es viele Überschneidungen bei dem, was Schreib- und Kampftrainer*innen ihren Teilnehmenden jeweils vermitteln. In beiden Disziplinen geht es darum, einen eigenen Standpunkt zu vertreten – im Kampfsport mit Körpereinsatz, beim Schreiben mit Worten. Dabei hilft es sehr, eigene und fremde Gedanken zu lesen und Gruppendynamiken erkennen zu können. Auch das übe ich jeweils mit meinen Teilnehmenden. Und sowohl im Kampfsport als auch beim Schreiben brauchst und entwickelst du Kreativität und Intuition. 

Jannechie: Wer profitiert von deinem Angebot am meisten?

Mailin: Alle, unabhängig von Alter, Geschlechtsidentität, Fitness, Lebenssituation, Herkunft. Alle Teilnehmenden können hier ihre körperliche und sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten entdecken und erweitern. Sie lernen Grenzen zu setzen und auf ihr Bauchgefühl zu hören.

Von den Kursinhalten und dem Wechsel zwischen körperlichen Übungen, Reflexion und Schreibsessions profitieren zurückhaltende Menschen ebenso wie Extrovertierte. Bei allen kommt im Laufe des Kurses Mut zum Vorschein. Grundsätzlich ist der bei uns allen vorhanden, bei vielen anfangs nur versteckt. 

Zwar mache ich aus den Teilnehmenden weder Kämpfer*innen noch Bestsellerautor*innen, aber ich vermittele das Wissen, dass sie es grundsätzlich können, wenn sie es wollen.

Jannechie: Gibt es Beschränkungen hinsichtlich des Alters und der Fitness? Wie profitieren eher unsportliche, bewegungsfaule Teilnehmende?

Mailin: Sämtliche körperlichen Übungen beim F&W haben zum Ziel, sich mit minimalem Einsatz selbst behaupten zu können. Im körperlichen Teil vermittle ich deshalb nur Techniken, für die Kraft, Beweglichkeit und Kondition nicht notwendig sind. Viele Senior*innen und Menschen mit Einschränkungen konnten somit erfolgreich bei mir teilnehmen. Beim F&W sind alle Menschen ab acht Jahren willkommen. Acht Jahre, weil wir ab diesem Alter in der Regel sicher genug mit Worten umgehen können. 

Jannechie: Bei einer Literaturveranstaltung hörte ich neulich, viele Jugendliche, vor allem Jungs, lesen und schreiben viel zu wenig. Wie kann F&W mehr junge, eher schreibfaule Menschen fürs Lesen und Schreiben begeistern? 

Mailin: Durch die Kombination von Fight mit Write ist dieses Konzept auch interessant für Personen, die weniger schreib- und dafür mehr kampf- und sportbegeistert sind. 

Bei den Schreibsessions in meinen Workshops geht es nämlich nicht um Perfektion, sondern darum, die Kreativität frei laufen zu lassen. Das Schreiben zielt auf Kreativität statt auf Orthographie und Grammatik. Gezielte Schreibimpulse tragen dazu bei, aus Jugendlichen Kreativität und Ideen herauszukitzeln, sodass Fantasien und Ideen von alleine kommen. Bislang gab es in meinen Kursen und Workshops nicht eine Person, die keine brillante Story auf Papier gebracht hat, auch wenn sie anfangs vielleicht skeptisch war.

Jannechie: Mit welchen Anliegen buchen dich Schulen?

Mailin: Meistens werde ich für Projekte und Projektwochen gebucht. Häufig mit dem Ziel, das Teamgefühl in den Klassen zu stärken, Stichwort Gruppendynamik und Peer-Pressure. Oft geht es auch um Prävention, vor allem in sozialen Brennpunkten. Ziel ist es, Gefahren frühzeitig zu erkennen und zu wissen, an wen die Schüler*innen sich im Ernstfall wenden können. Für Grundschulkinder wird in diesem Zusammenhang gern auch ein Heimwegtraining angefragt. 

Jannechie: Und wo bietest du F&W Erwachsenen und älteren Semestern? Welche Institutionen buchen dich und warum? 

Mailin: Tatsächlich habe ich an Schulen auch mal nur mit den Lehrkräften trainiert und geschrieben. Auch der „Bund gegen Rechts“ hat mich für seine Aktivist*innen gebucht, die Stadtverwaltung, das Jugendamt, einige Volkshochschulen. Bei den Workshops für Erwachsene geht es oft darum, Teamgeist und Resilienz zu stärken. Um innere Ruhe und Kraft, trotz Termindruck. 

Darüber hinaus war ich in Frauenhäusern aktiv, ebenso in Bars für Homosexuelle, um den vielen Übergriffen etwas entgegenzusetzen. Hier ging es um sichere Räume und Bystander-Training. Letzteres befähigt Menschen dazu, in diskriminierenden, problematischen Situationen aktiv einzugreifen. Wir üben gemeinsam, wie man angemessen, sicher und solidarisch bei Diskriminierung, Gewalt oder Übergriffen reagiert, ohne sich selbst oder andere zu gefährden. 

So unterschiedlich wie die Institutionen, die mich buchen, gestalte ich auch meine Kurse. Ich gehe gern auf Wünsche ein. Alles kann ich individuell auf die Bedürfnisse in der jeweiligen Institution abstimmen, Abläufe umstellen und um weitere Inhalte ergänzen.

Jannechie: Was war dein schönstes F&W-Erlebnis?

Mailin: Das war in einem Frauenhaus in Berlin. Dort hatten meine Teilnehmerinnen und ich extreme Sprachbarrieren zu überwinden. Jede hat in der eigenen Muttersprache geschrieben und mit Stimme, Händen und Füßen in der Runde vorgelesen. Allein dadurch entstand schon ein besonderes Miteinander. Mimik und Gesten und ein Übersetzungstool trugen zum Verstehen bei, vor allem aber die Motivation der Frauen, ihre Freude und Dankbarkeit. Der Satz einer Teilnehmerin, auf Arabisch vorgetragen, dann mit Online-Translator übersetzt, macht mir noch heute eine Gänsehaut: „Mein Zuhause ist überall, wo ich mich sicher fühle.“ Diese Frauen sind durch die Hölle gegangen, doch hier fühlten sie sich sicher und konnten sogar wieder lachen.

Jannechie: Wie geht’s für die Teilnehmenden weiter nach dem Workshop?

Mailin: Nachsorge ist sehr wichtig. Die Teilnehmenden erreichen mich deshalb auch nach Ablauf des Workshops jederzeit, wenn sie Fragen haben oder nochmal drüber sprechen wollen. 

Zudem lasse ich mir immer wieder mal etwas Neues einfallen. Manchmal lasse ich die Teilnehmenden einen Brief an sich selbst schreiben, den ich ihnen dann Monate später zuschicken. Aus den im Workshop geschriebenen Texten ist auch schon manch ein Büchlein entstanden. Es erinnert die Teilnehmenden daran, was sie an dem Wochenende geschafft haben, dass sie an sich und ihre Fähigkeiten glauben dürfen.

Jannechie: Und wie geht es für dich weiter? Hast du weiterführende Ideen? 

Mailin: Ich wachse mit meinen Teilnehmenden. Seit ich meinen Trainerschein zu Achtsamkeit und Resilienz habe, nehme ich Elemente aus diesen Fortbildungen mit in die Workshops und ergänze das Angebot um die mentale Komponente. Für ganzheitliche Stärke von innen nach außen. Das Wissen hilft auch mir, nochmal einen viel stärkeren Blick auf die Workshop-Teilnehmenden zu haben und ihre Bedürfnisse zu erkennen.

10. Im Vorfeld war ich nur neugierig, jetzt hast du mich überzeugt. Wie könnte ich als Privatperson mal bei einem deiner F&W-Workshops teilnehmen? 

Mailin: Melde dich an, wenn mich mal wieder zum Beispiel eine Volkshochschule gebucht hat. Dazu kannst du beitragen, indem du dort meine Workshops empfiehlst :-) Ansonsten werde ich mit F&W hauptsächlich firmenintern oder institutionell für ganze Teams gebucht. Wende dich gerne an deine Arbeitgeber*innen, dort gegebenenfalls an die Personalentwicklung, wenn du Lust auf einen F&W-Kurs in deinem Arbeitsumfeld hast. Hier erreichst du mich: www.fightandwrite.de, Email: hallo@fightandwrite.de, Telefon/Whatsapp: 0176 31711328.

Es ist mir eine Ehre, nun auf deinem Blog zu sein. Ich habe mich sofort mit dir wohlgefühlt. Ich danke dir sehr für dein Interview und die tollen Fragen, liebe Janny.

Jannechie: Auch meinerseits danke für den netten Austausch. Ich halte dein F&W-Workshop-Angebot für absolut sinnvoll und wichtig, es sollte viel mehr Beachtung finden. Deshalb hoffe ich, mit unserem Interview dazu beizutragen, dass viel mehr Menschen dein Angebot kennen und nutzen.

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Die Listen meines Lebens

REZENSION. Rückblickend frage ich mich, warum Guy Brownings Roman so lange in meinem Regal warten musste, endlich von mir gelesen zu werden. Inzwischen bin ich fasziniert, wie der Britische Autor mittels Zehnerlisten ein ganzes Leben kurzweilig und humorvoll nachzeichnet. Das Buch mit den 212 Listen hatte ich als Anschauungsmaterial für meine kreative Schreibwerkstatt gekauft. Allein schon sein Klappentext würde meine Teilnehmenden zur Kreativitätstechnik des Listen-Schreibens motivieren:

1. Jeder führt sie: Listen. 
2. Dies ist ein Roman – ausschließlich erzählt in Listen.
3. Für alle, die ohne Listen nicht überleben können. 
4. Und für alle, die sich fragen, wie das eigene Leben in zehn Stichpunkten aussehen würde. 
5. In etwa so!
6. Vom Schulhof über die erste Liebe, Ehe und drei Kinder bis zum Neubeginn – ein Leben in Listen.
7. Wir erfahren von den kleinen Katastrophen genauso wie von den großen Glücksmomenten.
8. Das ist lustig, oft sehr rührend und manchmal sogar ein bisschen weise.
9. Für die Leser von «Adrian Mole» und Nick Hornby.
10. Und in jedem Fall: Ein Roman für alle Helden des Alltags. 

Als Bettlektüre zog ich privat zunächst doch die gewohnte Prosa vor. Zu Unrecht! Denn Guy Brownings „Die Listen meines Lebens“ sind keineswegs nüchtern und sachlich geschrieben, wie man es von Listen vermuten könnte. Zusammen mit ihren Überschriften strotzen sie vor Humor und Selbstironie. Als Beispiel die Listen-Überschrift „Warum ich bei Konfrontationen so schlecht bin“ und dazu so sympathische Antwortpunkte wie „Ich kann meine eigene Meinung nicht ernst genug nehmen, um sie zu verfechten.“ (Punkt 2) und „Die Welt ist voller Probleme. Meine Hähnchennuggets sind kalt. Na und?“ (Punkt 3). Mit zunehmender Faszination begleitete ich diesen kurzweiligen Ich-Erzähler vorm Einschlafen durch seine Listen: von seiner Schulzeit über Pubertät und Liebschaften zum Berufseinstieg, zu großer Liebe und Liebeskummer, von der Hochzeit über Sorgen um alternde Eltern und den eigenen Nachwuchs bis hin zu Ehekrise, Scheidung und Neubeginn. Über die Listen im ganz eigenen Guy-Browning-Stil wurde der Listen-Erzähler und Anti-Held mir schnell zum Freund. Knapp eine Woche lebte ich mit und fieberte ich mit, dann hatte ich den biografisch anmutenden Roman ausgelesen – leider viel zu schnell. 

Buchcover "Die Listen meines Lebens" von Guy Browning.

Empfehlen würde ich dieses Buch als Pflichtlektüre vor allem Kreativschreibenden mit Humor. Interessant ist seine Machart auch für Menschen, die Ideen suchen, um ihren Lebensweg kreativ nachzuzeichnen. Auch Lesefaule kommen auf ihre Kosten, denn jedes Kapitel besteht aus nur einer Liste mit zehn Unterpunkten – Punkt.

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Haiku – mehr als ein heiterer Vers

Als ich vor Jahren in einer Schreibwerkstatt mein erstes ‚Haiku‘ schreiben sollte, ahnte ich nicht, wie sehr diese japanischen Kurzgedichte mich mal beschäftigen würden. Mit Lyrik hatte ich nie was am Hut gehabt. Nun sollte ich einen besonderen Moment in drei Sätze mit insgesamt siebzehn wohlklingenden Silben packen. Und das auch noch möglichst einfach und konkret. Wie eine Kombination aus Kreuzworträtsel und Sudoku erschien mir die Übung. Was dabei herauskam, las ich lieber nicht vor. Während manch ein Haiku der anderen Kursteilnehmer mich verzauberte, kamen meine Zeilen mir gekünstelt, dumm und langweilig vor.

Schreib drei Zeilen,


siebzehn Silben insgesamt,


im Jetzt, einfach und konkret.

Als ‚Vers mit heiter skizzierter Pointe‘ übersetzte unsere Dozentin Petra Harzheim das japanische Wort ‚Haiku‘. Im 16. Jahrhundert sei es gemäß dem Sachwörterbuch der Literaturaus dem scherzhaften Kettengedicht hervorgegangen. „Eine andere Art von Humor als bei uns Europäern“, dachte ich, behielt es aber für mich. Ob heiter oder nicht, mich überzeugte die Erklärung, wie Haiku-Übungen unser Gefühl für Sprache trainieren: „Das Zählen von Silben zwingt uns ständig abzuwägen, welches Wort in seiner Bedeutung, seiner Länge und seinem Klang am besten in die jeweilige Zeile passt.“

Auf dem Heimweg ertappte ich mich dabei, Silben zählend die Fahrbahn, das Wetter und des Nachbars Katze in Haiku-Form zu pressen. Bevor ich mir später den Mantel auszog, hielt ich die Zeilen von unterwegs in meiner China-Kladde fest. „Was stehst du da im Flur?“, rief mein Mann aus der Küche, „Komm doch rein!“ Als Antwort las ich ihm mein Haiku vor:

Regenwolkengrau:

Straßen, Autos, Katzen.

Mein Tag: Himmelblau!

Was hatte ich erwartet? Nichts Anderes als diesen irritierten, mitleidigen Blick. Mein Haiku verzauberte niemanden, nur mich. Wobei mich mehr der Schaffensprozess als Klang und Inhalt des Haiku begeisterten. Bei meinen eigenen Haiku-Versuchen ist das heute noch so. Haiku schreibend kann ich mich prima entspannen und von Grübeleien ablenken – fast immer und fast überall: Während ich im Supermarkt an der Kasse oder im Regen auf den Bus warte, während eines Waldspaziergangs oder wenn ich abends nicht einschlafen kann. Ist weder Stift noch Notebook zur Hand, trainiere ich Haiku dichtend zusätzlich mein Gedächtnis.

Die Spinne 

stürzt hinabund schaukelt

am seidenen Faden.

Was mich bei fremden Haiku fasziniert, wurde mir bewusst, als die Monatsaufgabe der Online-Schreibwerkstatt Fiction-Writing vor anderthalb Jahren verlangte, ein eigenes Haiku zu schreiben und die meiner Mitschreiberlinge zu kommentieren. „Wie machen die das?“, fragte ich mich wieder, wenn Haiku-Zeilen in meinem Kopf nach hallten. Durch das Kommentieren dieser Haiku erkannte ich deren Gemeinsamkeiten. Zum Einen waren es für mich die Interpretationsspielräume und Diskussionen darüber, die ein Haiku ‚leuchten‘ ließen. Sie verleiten den Leser zu sinnieren, zu philosophieren und zu träumen. Manch ein Haiku wird so zum Spiegel der Seele. Zum Anderen war es dieser inhaltliche Bruch inmitten einiger Haiku. Dieser Holzweg, auf den man sich beim Lesen der ersten beiden Zeilen begibt, um nach der letzten Zeile wie ein Fragezeichen dazusitzen.

Knospen platzen auf,

entfalten Schönheit und Duft,

bleiben im OP …

Wer seine Haiku – statt sie in Schubladen zu sammeln – mit Anderen teilen will , findet im Internet vielfältige Möglichkeiten. Bei Haiku-heute wird monatlich eine Auswahl eingesandter Haiku ins Netz gestellt, wobei jeder Texte einreichen kann. Nicht nur im Internet, sondern auch in einer Vierteljahreszeitschrift und in Buchform können Mitglieder der Deutsche Haiku-Gesellschaft ihre schönsten Kurzgedichte veröffentlichen lassen. Ein reger Austausch von Haiku und deren Interpretationen findet in einer Vielzahl spezieller Online-Foren statt, wobei als Beispiel die Haiku-Werkstatt des Hamburger Haiku-Verlags genannt sei.

Auf den Homepages der genannten Organisationen wie an vielen weiteren Stellen im Web findet sich eine Fülle an Ratschlägen, wie man Haiku besonders gut oder besonders schlecht schreiben kann. Statt das alles zu wiederholen, halte ich hier nur die mir wichtigsten drei Punkte fest:

  1. Lockerung der Zeilen- und Silbenvorgabe. Bis um die Jahrtausendwende galt für deutsche Haiku wie im Japanischen die starre Vorgabe 5-7-5 Silben. Da aber siebzehn Japanische Lauteinheiten dem Informationsgehalt von zehn bis vierzehn deutschen Silben entsprechen, passt die strenge Vorgabe auf Dauer nicht zum hiesigen Sprach-Rythmus. Deshalb hat es sich beim Großteil der geübten Haiku-Fans eingebürgert, ohne Verlust des Gedankengangs oder des gezeigten Bildes mit weniger als siebzehn Silben auszukommen.
  2. Lockerung inhaltlicher Vorgaben. Klassische Haiku-Definitionen verlangen einen Bezug zu Natur und Jahreszeiten. Zwar bietet diese Vorgabe viele Möglichkeiten, zugleich begrenzt sie unnötig die Auswahl an Themen unserer Zeit. Für wichtiger als diesen Naturbezug halte ich die Festlegung von Haiku auf einfache Momentaufnahmen, die ohne Belehrungen und Erklärungen auskommen.
  3. Interpretationsspielräume. Dem Gütesiegel ‚Haiku‘ gehorchen offene Texte, die für die Leser inhaltlich nachvollziehbar sind, obwohl sie nicht alles benennen und erklären und erst recht nicht werten und kommentieren. Die Leser sollen den Zusammenhang zwischen verschiedenen konkreten Bildern desselben Haikus selbst herstellen und den Text durch eigene Gedanken und Assoziationen vervollständigen können – so entfaltet das Haiku sich im Leser und ‚leuchtet‘.

Ratschläge für besonders heitere oder gar lustige Verse sind mir leider noch nicht begegnet. Dafür habe ich bei meinen Recherchen heute endlich mal über ein Haiku lachen können:

Zooausbruch bei Nacht 

Über den Zebrastreifen

schreitet ein Löwe

Bücher mit und über Haiku gibt es wie Sand am Meer. Belletristische Bücher, in denen Haiku eine besondere Rolle spielen, habe ich bisher aber nur zwei gefunden: In seinem Thriller „Stimmen der Angst“ spielt Bestseller-Autor Dean Koontz sehr lesenswert mit Sprache und ‚mörderischen Haiku‘. Mehr was für ‚Schöngeister‘ scheint laut Amazon-Kundenrezensionen Denis Thériaults Liebesroman „Siebzehn Silben für die Ewigkeit“ zu sein – schon gelesen?

Schreibanregung zur persönlichen Haiku-Sammlung: Nimm Stift und Kladde zur Hand, schreibe den Satz „Ich jetzt und hier …“ und lasse anschließend deine Gedanken dazu 5 Minuten lang ununterbrochen und wertfrei auf Papier fließen. Dein Stift schreibt und du schaust ihm zu und folgst dabei deinen Gedanken. Dann liest du deinen Text und unterstreichst alles, was dir darin besonders und wichtig erscheint. Anhand des Unterstrichenen bastelst du dir dein persönliches „Haiku des Tages“. Tägliche Übung macht dich sprachlich wendiger und fitter und beschert dir eine poetische Sammlung, die dir so viel mehr sagt und gibt als das, was da steht.

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Visuelle Poesie

Auf der Suche nach „avantgardistischen“ Schreibimpulsen bin ich neulich auf Eugen Gomringer und die konkrete Poesie gestoßen.

Auf der Treppe sitzend, mit Notebook auf dem Schoß, habe ich Gomringer-inspiriert ein wenig herum probiert. Mal wollten die Buchstaben hoch hinaus, mal ging es mehr abwärts, immer voll im kreativen Flow.

Die entstandenen ‚Treppengedichte‘ sind zwar mehr Design als Dichtung, aber – wer weiß – vielleicht und hoffentlich inspirieren sie manche Leser*in zu neuen Texten und Kreationen …  

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Gute-Laune-Schreibimpuls

Novemberblues? Ich kann mehrere Liedchen davon singen. Wenn auch noch ein Lockdown hinzukommt, dann … Nichts dann! Der Blues wird dieses Jahr nicht grau, ich denke ihn mir himmelblau! Mit Sonnenschein und Regenbogen am Himmel, rote Himbeeren und Tomaten im Garten, Freude und Freunde im Herzen. Immer wieder mich dran erinnern, mich aufraffen, an die frische Luft gehen, allein oder zu zweit spazieren, vielleicht telefonieren. Mich in Geduld üben, Neues ausprobieren, den Mut nicht verlieren. Deshalb schreibe ich, Tag für Tag – für mich allein im stillen Kämmerlein sowie gemeinsam in geselligen Schreibrunden. Schreiben hilft, probier‘s aus! 

SCHNELLER SCHREIBIMPULS: Eine Liste geht immer! Wie wär’s mit einer Liste nach Art des obigen Listengedichts von Bertold Brecht (1954)? Was sind deine kleinen Freuden des Alltags? Denke nicht lange darüber nach. Lese dir Brechts Gedicht langsam vor, höre dir dabei selber zu. Schließe kurz die Augen und dann schreibe deine persönlichen Vergnügungen in einem Rutsch herunter, als wenn du eine Einkaufs- oder To-Do-Liste schreiben würdest. Bewerte nichts. Jedes Vergnügen, das dir beim Schreiben durch den Kopf geht, hat es verdient, aufgeschrieben zu werden. Lege die Liste beiseite und lese sie dir erst später nochmal durch, am besten laut, damit du seinen Klang wahrnimmst. Jetzt erst darf du hier und da etwas streichen oder ergänzen.

Behalte dein Vergnügungsgedicht in Griffweite, damit du es ergänzen und du dir damit den Alltag immer wieder versüßen kannst ;-)

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Schreib-Trick Reframing

Unerwartete Wendungen tun jedem Krimi gut. Auch Kurzgeschichten und Witze brauchen ein „Wende-Ende“, damit sie nachwirken. Wie man so eine Wende gut hinbekommt? Mit „Reframing“, probier’s aus! 

Die psychologische Methode des Reframings hilft auch beim kreativen und autobiografischen Schreiben, vor allem beim freien Schreiben auf Morgen- und Abendseiten. Es tut gut, sich Ärger und Verzweiflung von der Seele zu schreiben. Jedoch lauert immer die Gefahr, sich tiefer in den Frust hineinzuschreiben. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Dagegen hilft Reframing. 

Wörtlich übersetzt bedeutet das englische Reframing neu einrahmen, einem Bild einen neuen Rahmen verpassen. Kreativ schreibend können wir jede Gegebenheit, Situation, Handlung, jede Figur und ihr Verhalten neu einrahmen oder reframen.

Im neuen Rahmen – dem anderem Blickwinkel, anderen Kontext und auch mit anderem Fokus – wirkt sie plötzlich anders, bekommt eine andere Bedeutung, einen neuen Sinn.

Folgende chinesische Legende über einen reichen Bauern zeigt das vorbildlich: Der Bauer galt als reich, da alle im Dorf ihn um sein Pferd beneideten. Als es davonlief, bemitleideten sie ihn. Der Bauer sagte: „Wer weiß?!“ Später kehrte das Pferd mit einem Wildpferd zurück. Alle staunten. Der Bauer: „Wer weiß?!“ Beim Versuch, das Wildpferd zu reiten, stürzte der Sohn des Bauern und brach sich ein Bein. Alle bedauerten ihn. Der Vater: „Wer weiß?!“ Kurz darauf kamen Offiziere ins Dorf, um Jungs zur Armee einzuziehen. Den mit dem Beinbruch wollten sie nicht. Alle beklatschten das Glück des Bauernsohnes. Sein Vater: „Wer weiß?!“ 

Reframing-Arten lassen sich nach dem gewählten Rahmen unterscheiden.

Beim Passiv-aktiv-Reframing tritt eine Figur oder Ich-Erzähler*in aus der passiven Opferrolle heraus und übernimmt Verantwortung. Beispielsweise schimpft der überforderte Teenager plötzlich nicht mehr über die Schule, sondern sagt der Prokatination den Kampf an. 

Per Negativ-positiv-Reframing oder auch Inhalts-Reframing zeigt die Autor*in ein nerviges Verhalten oder eine bedrohliche Situation vor dem Wenden durch die schwarze, danach durch die rosarote Brille. So wird aus der kontrollierenden Mutter eine liebe Glucke, die ihr Kind beschützen möchte. Die zögerliche Figur sieht im anderen Rahmen die Chance, etwas Neues auszuprobieren. Aus „streng“ kann „besorgt“, aus „bestimmend“ kann „entscheidungsfreudig und aus „zögerlich“ kann „vorsichtig“ werden.

Über das Kontext-Reframing – durch Situations- oder Perspektivwechsel – kann die zögerliche Art der Figur ebendiese vor Gefahren bewahren. Wenn ich ein Bild oder eine Situation aus der Nähe betrachte, fallen mir andere Dinge auf als aus der Distanz. Aus einem anderen Blickwinkel, besonders im Rückblick, bekommt ein Problem einen (anderen) Sinn – wie im wahren Leben ;-) 

Welches sind deine Lieblings-Wendungen in eigenen oder fremden Geschichten, Filmen, Romanen, Witzen und vielleicht auch im eigenen Leben? 

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Handgepäck für Schreibreisende

REZENSION. Entdeckt und sofort genutzt, den Reiseführer speziell für Schreiberlinge und Lesegenießer.

Literarische Besonderheiten der nicht alltäglichen Urlaubsorte sowie passende Schreibanregungen und Lese-Tipps erwecken den Wunsch, sofort dorthin aufzubrechen. Wie praktisch, im gleichen Kapitel zu lesen, wie man hinkommt und wo man vor Ort gut übernachten kann.

„Lernen Sie interessante Schreiborte in Deutschland kennen. (…) Was Sie brauchen, finden Sie in diesem Buch“, verspricht Isa Schikorsky in ihrem Vorwort. Ob es das Versprechen hält? Als langjährige Anbieterin von Stilistico-Schreibreisen konnte die Autorin aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen. Klar strukturiert und informativ wirkt das Buch schon auf den ersten Blick. Einer der vorgestellten Orte ist Dresden, wo ich neulich mit diesem Reiseführer kreativ unterwegs war. Zur Inspiration schickte er mich in Dresdens Neustadt auf Erich Kästners Spuren. Dort könne ich herausfinden, „was einen erfolgreichen Kinderbuchautor auszeichnet.“

Um Kästners „Geheimrezept für den Erfolg“ auszuprobieren, bietet das Kreativ-Buch zwei Schreibanregungen. Diese und alle anderen Schreibimpulse kann man gut auch woanders nutzen. Meine Texte dazu entstanden im Kellergewölbe der Frauenkirche. Besonders inspiriert und fasziniert haben mich Kästners Kindheitserinnerungen „Als ich ein kleiner Junge war“und das Erich-Kästner-Museum in der alten Villa seines Onkels – beides Tipps aus Isa Schikorskys Reiseführer. Ohne den hätte ich in der wiederaufgebauten Kulturstätte Essenzielles verpasst.

Buchcover Kreativ unterwegs

„Kreativ unterwegs“ heißt das 92-seitige Taschenbuch, das es auch als eBook gibt. Verteilt auf zwanzig Kapitel präsentiert Autorin und Schreibdozentin Isa Schikorsky zwanzig „Schöne Orte zum Schreiben und Literaturerleben“.

Fazit:
Empfehlenswert für alle, die gern schreiben und sich für Literatur interessieren.

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